Warum Perfektionismus so extrem stresst
Perfektionismus ist einer der unterschätztesten persönlichen Stressverstärker überhaupt. Stress entsteht immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Bewältigungsstrategien für die gestellten Anforderungen nicht ausreichen. Für einen Perfektionisten sind die Anforderungen jedoch von Natur aus unerreichbar. Makellose Leistungen sind das Ziel. Alles was auch nur geringfügig abweicht, löst tiefe Unzufriedenheit aus.
Dieser Zustand zwingt Körper und Psyche in einen ständigen Alarmzustand. Der Versuch die eigenen Standards zu erfüllen oder die gefühlte Erwartungshaltung anderer zu befriedigen führt zu starker Anspannung, der Unfähigkeit abzuschalten und chronischem Stress.
Der Weg in die emotionale Erschöpfung
Wenn dieser persönliche Stressverstärker über Monate oder Jahre anhält führt der Weg unweigerlich in Richtung Burnout. Burnout ist gekennzeichnet durch tiefe mentale, physische und emotionale Erschöpfung, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Schwierigkeiten die tägliche Arbeit zu bewältigen.
Wissenschaftliche Studien unter Psychotherapeuten und Ärzten belegen diesen Zusammenhang eindrucksvoll. Sowohl der selbstbezogene Perfektionismus als auch der sozial vorgeschriebene Perfektionismus hängen stark mit höheren Burnout-Werten zusammen. Wer glaubt ständig perfekt sein zu müssen verbraucht seine emotionalen Reserven in rasendem Tempo.
Die Abwärtsspirale: Von Burnout zum Hochstapler-Syndrom
Die Gefahr von Perfektionismus als persönlichem Stressverstärker endet nicht bei der Erschöpfung. Neuere Forschungen zeigen dass Burnout wie ein Brandbeschleuniger für weitere psychologische Krisen wirkt. Insbesondere das Imposter-Phänomen wird durch Burnout massiv verstärkt.
So entsteht der Teufelskreis:
Der perfektionistische Mensch überarbeitet sich durch seine inneren Standards und wird immer erschöpfter. Durch die tiefe Erschöpfung verliert er das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, was ein weiterer Risikofaktor für einen Burnout ist. Es entwickeln sich massive Selbstzweifel und das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, der seinen Erfolg nicht verdient hat. Um aus diesen Selbstzweifeln herauszukommen, wird noch mehr gearbeitet und „mehr Leistung“ gebracht. So wird versucht die vermeintliche Inkompetenz zu verstecken, es wird noch „perfekter“ gearbeitet. Der Kreislauf beginnt von vorn.
Perfektionismus als Stressverstärker in helfenden Berufen
Besonders drastisch zeigt sich Perfektionismus als persönlicher Stressverstärker bei Menschen die täglich mit anderen arbeiten. In der Pflege, der Medizin oder der Therapie führt er nicht nur zu klassischem Burnout sondern oft zur sogenannten Mitgefühlsmüdigkeit. Wer von sich selbst verlangt die perfekten Lösungen für die Probleme anderer zu haben erschöpft emotional so stark dass die Fähigkeit Empathie zu empfinden abstumpft.
Perfektionismus ist kein Zeichen von Stärke. Er ist ein messbarer Stressverstärker, der Menschen regelrecht ausbrennen lässt. Wer das Risiko für ein Burnout senken möchte, kommt nicht daran vorbei, die eigenen Grenzen zu respektieren. Und das gelingt selten allein: Es braucht auch ein Umfeld, in dem Fehler kein Makel sind. Nur so lässt sich die Spirale aus Perfektionismus und Erschöpfung aufhalten.
Der Anspruch an sich selbst kommt allerdings selten aus dem Nichts. Dahinter stecken meist Überzeugungen, die Sie schon sehr lange begleiten – oft aus einer Zeit, in der sie durchaus sinnvoll waren. Welche das sein können und wie Sie ihnen auf die Spur kommen, lesen Sie in meinem Artikel [Perfektionismus Stress – Wenn gut nicht gut genug ist]
Wenn Sie diese Muster nicht nur verstehen, sondern verändern möchten: In meiner 1:1 Beratung schauen wir gemeinsam hin – wo Ihr Anspruch herkommt, wo er Ihnen nützt und wo er Sie inzwischen mehr kostet, als er einbringt.
Sie möchten zuerst die Grundlagen der Stressbewältigung kennenlernen? Dann sind meine Präventionskurse ein guter Einstieg.
Quellen