Was ist Stress? Grundlagen, Körperreaktionen und was die Forschung sagt
Stress bei der Arbeit ist in vielen Berufen kein Ausnahmezustand mehr, sondern Alltag. Stress hat einen schlechten Ruf dabei ist er zunächst einmal nichts anderes als eine normale, sinnvolle Reaktion des Körpers. Wer kurz vor einer Prüfung plötzlich hellwach wird, beim entscheidenden Tor die Konzentration auf den Punkt bringt oder in einer schwierigen Situation über sich hinauswächst das ist Stress. Und er hilft.
Eustress: Wenn Stress uns beflügelt
Körperliche Symptome von Stress sind oft das erste Warnsignal des Nervensystems. In der Stressforschung wird zwischen zwei grundlegenden Formen unterschieden. Eustress (also positiver Stress) steigert die Aufmerksamkeit, schärft die Konzentration und mobilisiert Energie. Er ist zeitlich begrenzt, hat ein klares Ziel und hinterlässt nach dem Erreichen dieses Ziels ein Gefühl von Leistung und Zufriedenheit. Eustress ist kein Problem er ist ein Werkzeug.
Problematisch wird es erst, wenn aus dem kurzen Hochfahren ein Dauerzustand wird.
Distress: Wenn das Nervensystem nicht mehr abschaltet
Akuter Stress löst eine Reihe physiologischer, psychologischer, verhaltensbezogener und neurologischer Reaktionen aus, die der Körper zeigt, wenn er reale oder wahrgenommene Herausforderungen an seine innere Balance bewältigen muss. Das ist zunächst sinnvoll. Wenn dieser Zustand jedoch anhält. Wenn der Körper dauerhaft auf Hochtouren läuft, ohne zur Ruhe zu kommen spricht die Stressforschung von Distress.
Das Nervensystem kann nicht mehr abschalten. Die Alarmbereitschaft verselbstständigt sich.
Was im Körper passiert: Die Physiologie der körperlichen Symptome von Stress
Akuter Stress aktiviert das autonome Nervensystem. Konkret bedeutet das: Die sympathisch-adrenomedullare Achse springt an. Der Körper schüttet Katecholamine wie Noradrenalin aus. Der Puls steigt. Die Sinne schärfen sich. Der Körper bereitet sich auf Handlung vor.
Gleichzeitig wird die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse aktiviert. Sie löst die Freisetzung von Cortisol aus. Cortisol ist das bekannteste Stresshormon. Es mobilisiert Energie, unterdrückt Entzündungen und hält den Körper in Alarmbereitschaft.
Diese Reaktionen sind kurzfristig lebensnotwendig. Sie haben uns als Menschen über Jahrtausende am Leben erhalten. Das Problem entsteht erst wenn sie zum Dauerzustand werden. Dann werden aus hilfreichen körperlichen Symptomen von Stress echte Warnsignale. Der Körper findet nicht mehr zurück in die Ruhe.
Was Stress mit dem Gehirn macht
Eine aktuelle Studie im Fachjournal Brain and Behavior (Guo et al., 2026) hat untersucht wie akuter Stress die Denkleistung beeinflusst. Die Forscher nutzten moderne Hirnbildgebungsverfahren. Die Ergebnisse sind eindeutig.
Stress beeinträchtigt das Arbeitsgedächtnis. Wer unter körperlichen Symptomen von Stress leidet, lernt messbar langsamer. Das Gehirn kann seine Ressourcen nicht so effizient einsetzen wie im Ruhezustand. Gleichzeitig muss es mehr Energie aufwenden um die gewohnte Leistung überhaupt aufrechtzuerhalten.
Kurz gesagt: Stress kostet das Gehirn Kapazität. Kapazität die an anderer Stelle fehlt, z.B. im Job oder bei der Familie.
Subjektiv: Was Stress mit der Stimmung macht
Subjektiv erhöht akuter Stress deutlich negative Emotionen wie Angst und verringert positive Emotionen. Wer das kennt – das Gefühl, dass alles zu viel wird, die innere Unruhe, die Gereiztheit – erlebt genau diese Stressreaktion am eigenen Leib.
Stress ist lernbar – in beide Richtungen
Der entscheidende Punkt: Stress ist nicht schicksalhaft. Die Forschung zeigt, dass das Nervensystem trainierbar ist. Wer lernt, Stressreaktionen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu regulieren, kann den Übergang vonDistress zu Eustress aktiv beeinflussen. Genau das ist der Ansatz wissenschaftlich fundierter Prävention beim Hanse Health Institut.
Quellen: Guo Z et al. Acute Stress Impacts Executive-Social Function. Brain and Behavior, 2026. DOI: 10.1002/brb3.71214 | Chu B et al. Physiology, Stress Reaction. StatPearls Publishing, 2024.