Herzklopfen vor dem Meeting. Ein Nacken, der sich anfühlt wie Beton, nachdem Sie den ganzen Tag zwischen Terminen, Familie und E-Mails hin- und hergerissen waren. Nächte, in denen der Kopf einfach nicht abschaltet, obwohl der Körper längst müde ist. Wenn Sie das kennen, sind Sie nicht allein, und Sie bilden sich das nicht ein.
Was viele nicht wissen: Ein großer Teil der Beschwerden, mit denen Menschen zum Arzt gehen, hat keine rein körperliche Ursache im Sinne einer Verletzung oder Erkrankung eines Organs. Stattdessen steckt oft eine überlastete Stressreaktion dahinter, die sich im Körper zeigt, weil Kopf und Körper eben keine getrennten Systeme sind, sondern ständig miteinander in Kontakt stehen.
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ToggleWarum Stress im Körper landet, nicht nur im Kopf
Wenn Ihr Gehirn eine Situation als Bedrohung oder Überforderung einstuft, egal ob es sich um einen tatsächlich gefährlichen Moment handelt oder um die zehnte Deadline in dieser Woche, schaltet Ihr Körper in einen uralten Alarmmodus. Das autonome Nervensystem, also der Teil Ihres Nervensystems, den Sie nicht willentlich steuern können, aktiviert eine Kette von Reaktionen: Der Puls steigt, die Muskulatur spannt sich an, die Verdauung fährt herunter, die Sinne werden geschärft. Diese Reaktion war evolutionär sinnvoll, um vor einem Raubtier wegzulaufen. Das Problem: Ihr Nervensystem unterscheidet kaum zwischen einem Säbelzahntiger und einem vollen Posteingang. Bleibt die Anspannung über Tage, Wochen oder Jahre bestehen, zeigt sich das im Körper, oft genau an der Stelle, die für Sie persönlich am empfindlichsten ist. (Godoy et al., 2018)
Genau das erklärt, warum stressbedingte körperliche Symptome so unterschiedlich aussehen können. Manche Menschen bekommen einen verspannten Nacken, andere Kopfschmerzen, wieder andere ein Rauschen im Ohr, Herzrasen, Schlafprobleme, einen empfindlichen Magen oder Schwindel. In den einzelnen Beiträgen dieser Reihe gehe ich auf jedes dieser Symptome im Detail ein.
Ein erster Schritt
Wenn Sie sich in diesem Text wiedererkennen, empfehle ich Ihnen, mit dem Symptom zu beginnen, das Sie am meisten beschäftigt. In den weiterführenden Texten dieser Reihe erkläre ich, was hinter Nackenverspannung, Spannungskopfschmerz, Tinnitus, Herzrasen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und Schwindel durch Stress steckt und was Ihnen konkret helfen kann.
Sie müssen das nicht allein herausfinden. Wenn Sie merken, dass die Belastung größer ist, als Sie allein bewältigen können, begleite ich Sie gerne dabei, den Weg aus der Überlastung zu finden.
Das dreiteilige Modell, mit dem ich arbeite
In meiner Arbeit als Beraterin schaue ich nie nur auf ein einzelnes Symptom, sondern auf drei Ebenen gleichzeitig, denn Stress braucht mehr als einen guten Tipp.
Palliativ-regenerativ: Was hilft Ihnen im Moment, wenn die Anspannung gerade da ist, um herunterzufahren? Das können bewusste Atemübungen sein, Bewegung, ein Spaziergang, warme oder kalte Reize für den Körper.
Kognitiv: Wie schauen Sie auf die Situation, die den Stress auslöst? Oft verstärken Gedanken wie „Das muss ich schaffen“ oder „Ich darf keine Schwäche zeigen“ die körperliche Anspannung zusätzlich. Hier geht es darum, diese Muster zu erkennen und behutsam zu verändern.
Instrumentell: Was können Sie an der Situation selbst ändern, die den Stress überhaupt erst erzeugt? Manchmal ist die ehrlichste und wirksamste Lösung nicht eine Entspannungstechnik, sondern ein klärendes Gespräch, eine andere Aufgabenverteilung oder eine neue Grenze.
Nur wenn alle drei Ebenen zusammenkommen, wird aus kurzfristiger Erleichterung eine echte Veränderung.
Quelle: Godoy LD, Rossignoli MT, Delfino-Pereira P, Garcia-Cairasco N, de Lima Umeoka EH (2018). A Comprehensive Overview on Stress Neurobiology: Basic Concepts and Clinical Implications. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 12:127. doi:10.3389/fnbeh.2018.00127