Schlafstörungen durch Stress: Warum & was hilft

Sie legen sich erschöpft ins Bett, und genau dann wird der Kopf hellwach. Gedanken kreisen um den nächsten Tag, um das ungelöste Problem, um alles, was noch zu tun ist. Oder Sie schlafen ein, wachen aber mitten in der Nacht auf und finden lange keine Ruhe mehr. Schlafstörungen durch Stress gehören zu den häufigsten Beschwerden, mit denen stark beanspruchte Menschen zu kämpfen haben.

Warum der Kopf nachts nicht abschaltet

Fachleute sprechen hier von Hyperarousal, also einem Zustand erhöhter Grunderregung, der bis in die Nacht hineinreicht. Bei andauerndem Stress bleibt das Nervensystem auch nach Feierabend in einer Art Bereitschaftsmodus. Messungen zeigen, dass bei Menschen mit anhaltenden Schlafproblemen typische Zeichen dieser Übererregung sowohl tagsüber als auch nachts nachweisbar sind, etwa in Herzfrequenz, Hormonspiegeln und Gehirnaktivität. Kurzfristiger Stress kann Schlafprobleme auslösen, aber es sind meist erlernte Muster wie Grübeln im Bett oder die Sorge vor der nächsten schlaflosen Nacht, die daraus ein dauerhaftes Problem machen.
Das bedeutet auch: Schlafstörungen durch Stress lassen sich selten allein mit besserer Schlafhygiene lösen, wenn die eigentliche Übererregung tagsüber nicht angegangen wird.

Was wirklich hilft

Kurzfristig lindern: Ein fester Abstand zwischen Bildschirmzeit und Schlafenszeit, gedämpftes Licht am Abend und ruhige, sich wiederholende Abendrituale signalisieren dem Nervensystem, dass der Tag zu Ende geht. Wenn Sie nachts wach liegen und der Kopf nicht zur Ruhe kommt, kann es helfen, kurz aufzustehen und etwas Beruhigendes zu tun, statt sich im Bett wach zu ärgern.

Anders draufschauen: Viele verstärken ihre Schlafprobleme durch den Druck, unbedingt schlafen zu müssen. Der Gedanke „Ich muss jetzt einschlafen, sonst bin ich morgen kaputt“ erzeugt selbst wieder Anspannung. Zu akzeptieren, dass eine wache Nacht unangenehm, aber nicht katastrophal ist, nimmt paradoxerweise einen Teil des Drucks.

An der Ursache ansetzen: Schauen Sie, was tagsüber die Übererregung aufbaut, die nachts nicht zur Ruhe kommt. Oft sind es unerledigte Aufgaben, aufgeschobene Gespräche oder ein Terminkalender ohne echte Pausen. Diese Stressoren am Tag zu verringern, wirkt sich meist direkter auf den Schlaf aus als jede Einschlafroutine.
Stress ist keine Schwäche, sondern ein biologisch fest verankertes System, das Sie nicht willentlich abschalten können. Genau deshalb schaue ich in meiner Arbeit immer auf das gesamte System gleichzeitig. 

Wann Sie genauer hinschauen sollten

Halten die Schlafprobleme über Wochen an, lohnt sich sowohl eine ärztliche Abklärung als auch ein genauerer Blick auf Ihre Stressbelastung tagsüber. In meiner Beratung helfe ich Ihnen zu erkennen, welche Stressoren Ihren Schlaf wirklich stören, und Ihren Alltag so zu gestalten, dass Ihr Nervensystem abends tatsächlich herunterfahren kann.

Quelle: Riemann D, Spiegelhalder K, Feige B, Voderholzer U, Berger M, Perlis M, Nissen C (2010). The hyperarousal model of insomnia: a review of the concept and its evidence. Sleep Medicine Reviews, 14(1):19–31. doi:10.1016/j.smrv.2009.04.002

Burnoutprävention in Hamburg & Online.

Wissen ist der erste Schritt. Der zweite wartet hier.

Was Sie hier lesen ist mehr als Information, es ist die Grundlage für echte Veränderung. Wenn Sie bereit sind den nächsten Schritt zu gehen, begleite ich Sie gerne persönlich.

Nora Remstedt Präventionsmanagerin lächelt, trägt einen blauen Blazer
Nora Remstedt Systemische bEraterin am Laptop lächelt leicht und dnekt nach

Weiterlesen & entdecken

Weitere Beiträge rund um Stress, Burnout und mentale Gesundheit.

Was ist Stress? Die Körperreaktion einfach erklärt

Herzklopfen vor der wichtigen Präsentation. Ein flauer Magen vor dem Gespräch mit dem Chef. Vielleicht kennen Sie das Gefühl, dass Ihr Körper reagiert, noch bevor der Kopf richtig verstanden hat, was eigentlich los ist. Genau das ist Stress: eine körperliche Reaktion, die uralt ist und die weit mehr steuert, als die meisten Menschen denken. Ihr Körper hat eine eingebaute Alarmanlage Sobald Ihr Gehirn eine Situation als Bedrohung oder Überforderung einstuft, läuft im Hintergrund eine feste Kette von Signalen ab. Ein kleiner Bereich in der Mitte des Gehirns, der Hypothalamus, sendet ein erstes Signal aus. Das erreicht die Hirnanhangdrüse, die

Weiterlesen »

Schwindel durch Stress: Ursachen & Wege heraus

Ein leichtes Schwanken, ein Gefühl von Unsicherheit beim Gehen, als würde der Boden nicht ganz fest unter Ihnen liegen, manchmal begleitet von einem diffusen Druck im Kopf. Anders als beim klassischen Drehschwindel dreht sich dabei nichts, es ist eher ein andauerndes Gefühl von Instabilität. Viele Betroffene durchlaufen zahlreiche Untersuchungen, bevor Stress und Angst als möglicher Auslöser überhaupt in Betracht gezogen werden. Wenn der Gleichgewichtssinn überempfindlich wird Fachleute beschreiben dieses Beschwerdebild inzwischen als eigenständiges Muster, den sogenannten funktionellen Schwindel. Er entsteht häufig nach einer ersten Schwindelepisode, etwa durch eine Erkrankung des Innenohrs, bleibt aber bestehen, obwohl die ursprüngliche Ursache längst

Weiterlesen »

Magen-Darm-Beschwerden durch Stress verstehen

Ein flaues Gefühl vor wichtigen Terminen, Bauchschmerzen nach angespannten Gesprächen, ein Darm, der zwischen Verstopfung und Durchfall wechselt, obwohl medizinisch nichts Auffälliges gefunden wird. Viele Menschen erleben Stress zuerst im Bauch, lange bevor er ihnen bewusst wird. Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn Ihr Darm und Ihr Gehirn stehen über ein dichtes Netz aus Nerven, Hormonen und dem Immunsystem in ständigem Austausch. Fachleute nennen das die Darm-Hirn-Achse. Über diese Verbindung wirkt sich psychische Belastung direkt auf Verdauung, Darmbewegung und die Zusammensetzung der Darmbakterien aus, und umgekehrt beeinflusst der Zustand Ihres Darms auch Stimmung und Stressempfinden. Bei Menschen mit Reizdarmbeschwerden

Weiterlesen »

Herzrasen durch Stress: Ursachen und was hilft

Das Herz schlägt plötzlich spürbar schneller, die Brust fühlt sich eng an, fast so, als würde sie zusammengedrückt. Der erste Gedanke vieler Betroffener: Ist mit meinem Herzen etwas nicht in Ordnung? Diese Sorge ist verständlich und sollte immer ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Häufig steckt jedoch keine Herzerkrankung dahinter, sondern eine ganz normale, wenn auch unangenehme Stressreaktion des Körpers. Warum das Herz auf Stress reagiert Ihr autonomes Nervensystem hat zwei Gegenspieler: den Sympathikus, der Sie aktiviert, und den Parasympathikus, der Sie beruhigt. Unter Stress übernimmt der Sympathikus die Führung. Er schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus, die den Herzschlag

Weiterlesen »